Mondlauf offen halten

2019, Zeichnung und Malerei, offspace viktoria, Bern

Der Ausstellungsraum ist ein kahler, schmaler, langer Raum (16 x 4 m), der durch die gegenüberliegende Türe wie ein Durchgang, eine Transitzone auf den Betrachter wirkt. Die Atmosphäre ist kühl und nicht sehr einladend. Links an der Decke befinden sich diverse Röhren, welche die Länge des Raumes betonen. Die vier Fenster an der rechten Wandseite und Querbalken an der Decke führen zu einer Rhythmisierung. Die Wände sind abgewetzt und voller Arbeitsspuren.

Die Ausstellung ist speziell auf diesen besonderen Raum konzipiert und nimmt dessen architektonische Charakteristika als Gestaltungselemente auf. So sind die Werkreihen, Zeichnungen von 2009 und erstmalig malerische Arbeiten von 2019, einander gegenübergestellt und in Kapitel eingeteilt, die durch den rhythmisierten Raum führen. Zwischen den präsentierten Werkreihen liegen zehn Jahre. Diese zeitliche Differenz interessiert in der Gegenüberstellung. Die Bilder treten nicht nur mit dem Raum in einen Dialog, sondern treten auch mit- und untereinander in einen Dialog, indem sich die sehr unterschiedlichen Bildsprachen und Bildelemente ergänzen, verdeutlichen, herauskristallisieren, sich unterstützen, Gegensätzliches bilden oder aufzeigen.

Die abstrakten, vielschichtigen und expressiven Bildkompositionen, direkt auf die Wand fixiert, fügen sich in diese ein, verschmelzen mit dieser und führen in neue spannungsgeladene Raumdimensionen. Die Werke sind nicht nur abstrakte Form oder reine Farbe und Textur, sondern werden auch zu Klang. Sie entziehen sich damit unserer Wirklichkeit, entmaterialisieren sich und geben Raum für individuelle Assoziationen. Bewegung und Ruhe bilden in den komplexen Werken ein weites Spannungsfeld.