Im Zuge - Morgen und Abend

2020/2010-11, Zeichnung/Wandinstallation, 3,44 x 1,6 m; 300 Blätter à 10,5 x 14,8 cm, Kugelschreiber auf Papier

Diese Arbeit ist in knapp zwei Jahren während regelmässigen Zugreisen zwischen Luzern und Bern entstanden. Ich zeichnete mit einem schwarzen Kugelschreiber auf kleinformatige, bereits leicht vergilbte Blätter, die ich im Brockenhaus gefunden hatte. Die Anzahl der Blätter definierte den Umfang des Werkes.

Während der Zugfahrten wanderte mein Blick zwischen der Landschaft und dem Innenraum des Wagons hin und her und erfasste mit der schreibungeübten Hand und ohne auf das Blatt zu schauen einzelne Landschafts- oder Innenraumfragmente, die ich in spontanen, flüchtig dahingeworfenen, gestisch-spielerischen, auch expressiven Spuren festhielt. So entstanden in schneller Folge etliche Zeichnungen hintereinander. Im Laufe der Zeit habe ich ausgewählte Blätter nochmals überarbeitet, indem ich den filigranen Linien und Liniengefügen schwarze Flächen in unterschiedlicher Grösse und Form gegenübergestellt habe.

Im Laufe des Werkprozesses sedimentierte sich das Erfahren von Raum und Zeit als persönliche Erfahrung in meinem Erfahrungs- und Erkenntnisschatz. Gleichzeitig sedimentierte sich diese Zeit in Form der Spuren auf den Bildträgern. In der installativen Komposition wird diesem Sedimentationsprozess nochmals nachempfunden.

Es präsentiert sich ein lebhafter Ausschnitt der Welt in Fragmenten und Schichten, in der ganz viele Geschichten erzählt werden. Die Vertikale und Diagonale in der Anordnung erweitern den Erfahrungshorizont zusätzlich. Auch hier spielen bei der Betrachtung Nähe und Distanz eine wichtige Rolle, bei der die Betrachtenden aktiv mit einbezogen werden.